Sonntag, 6. April 2008

Kittelpflicht

Wie in einem Fischschwarm wurde ich in einem Strom voller weißgekittelter Debütanten durch die Saaltür gespült. In einer Hand den Kasten mit den Werkzeugen, in der anderen meinen Atlas, meinen Wegweiser, der einzige Anhaltspunkt, der mich durch die bevorstehende topographische Ungewissheit führen sollte. Ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte. Eine angenehme Kühle schlug mir entgegen, dann der beißende Geruch des Formaldehyds. Ein etwa 120qm großer, rechteckiger Saal lag vor mir. Trotz der zahlreichen milchglasigen Fenster wurde der Raum in eine kalte Neon-Licht Atmosphäre getaucht, von der durch die Kachelung der Wände und dem verchromten Stahl eine absolute Nüchternheit ausging. Das laute Rauschen der Abzugsanlage und das Tuscheln von hundert aufgeregten Studenten lag in der Luft. Wie würde es sein? In der Mitte des Raumes stand eine, an keine Wand angrenzende, etwa sechs Meter lange, brusthohe Mauer, die an beiden Seiten mit großen Waschbecken aus Stahl gesäumt war. In den dadurch abgetrennten Teilräumen des Saals standen jeweils zehn in Paaren stehenden Stahltische. Weiße Tücher überspannten das für jeden ersichtliche. Als die Tücher dann zurückgeschlagen wurden, war der Anblick angenehmer, als die menschlichen Konturen unter dem Tuch vorher und dem damit verbundenen Vorstellungsfreiraum. Vor uns lagen zwanzig Leichen. Die Hälfte auf dem Rücken, die andere Hälfte auf dem Bauch liegend.

Vor zwei Monaten wurden die Körperspender beerdigt und für uns ist damit eine lehrreiche und sehr interessante Zeit abgeschlossen. Nicht nur im Bezug auf das anatomische Wissen, sondern auch auf den Umgang mit den Toten und den eigenen Ängsten. Morgen bricht das nächste Semester an.

Samstag, 23. Dezember 2006

Abgefuckt

Ich habe oft das Gefühl deplaziert zu sein. Manchmal durchlebe ich Phasen, in denen es mich unheimlich viel Energie kostet weiterhin zu kommunizieren und mich nicht vollkommen von meiner Umwelt abzukapseln. Ich habe den Eindruck alle Dinge mit denen sich meine Mitmenschen beschäftigen sind schwachsinnig und sie unterhalten sich nur über geschwollene, unsinnige Banalitäten. Außerdem scheine ich in diesen Fällen immer das 5 Rad am Wagen zu sein. Mein Selbstbewusstsein fällt in sich zusammen. Ich fühle mich alleine und nicht beachtet. Es ist nicht so, dass ich im Mittelpunkt stehen möchte, aber ich habe in diesen Situationen den Eindruck, dass ich für die anderen nicht interessant bin. Ich bin zwar dabei, ich bin ganz nett aber mehr auch nicht. Ich fühle mich so klein und unbedeutend. Jeder kennt mich, aber alle sehen über mich hinweg, weil ich nicht auf falle. Wenn ich mit den anderen etwas zu tun haben will, muss ich mich darum kümmern. Niemand würde sich mit mir in Verbindung setzen. Nicht weil ich unbeliebt bin, sondern weil man nicht an mich denkt. Ich fühle mich nebensächlich.
Soviel zu dem.

Ich habe heute bis kurz vor zwei Uhr mittags geschlafen. Ich weiß gar nicht warum. War weder besonders spät im Bett, noch habe ich Anstrengende Dinge gemacht. Leider hat es noch nicht mal besonders gut getan. Fühle mich krank und völlig neben der Kappe.

Bin dann nach hause gefahren und ...

Ich stelle gerade fest, dass ich heute nichts erreicht habe. Ich war einkaufen, habe mir was zu essen gekocht. Habe eine Fahrradklingel angebracht, ein Geschenk eingepackt, ein paar Akten sortiert und ein Telefonat geführt. Den restlichen Abend habe ich DVD geguckt und im Internet gesurft.

Oh man. Dabei müsste ich lernen. Wo ist die Selbstdisziplin geblieben, auf die ich mal so stolz war?!

Dienstag, 19. Dezember 2006

Die Aura des Weihnachtsmanns

Hatte heute Post vom Weihnachtsmann. Im meinem Briefkasten lag eine Rechnung von einem Aboservice. Wie es aussieht schenken mir meine Eltern ein Zeitungsabo. Trotz vermasselter Überraschung: wunderbar!

Sonntag, 16. April 2006

Lehren von Mutter Nacht

Gar nicht so leicht einer Betrunkenen klar zu machen, dass es nicht schlimm ist Blut zu kotzen, wenn man vorher Vodka Blutorange getrunken hat.

Das beste Mittel um jemanden Nüchtern zu kriegen, ist ihm Toast mit Ketchup zu verabreichen. Nichts saugt besser Alkohol auf.

Party sonst gut überstanden. Kumpel konnte nur nicht seine Mutter anrufen, dass er nicht nach Hause kommt, weil ständig von irgendwem im Zimmer mit dem Telefon, der Geschlechtsakt vollzogen wurde.

Sonntag, 28. August 2005

Die Flegeljahre

Vorkurzem saß ich mit ein paar Freunden auf der Spitze eines am Hang gelegenen, gemähten Feldes. Es war schon längere Zeit dunkel und ein riesiger Vollmond half uns dabei, ohne Lampe ein paar Zigaretten zu bauen, welche wir rauchten um die von uns angestrebte "angenehme Gleichgültigkeit" zu erlangen.

So richtig chillig wurde es leider nicht, denn zwei meiner Kumpels zogen es vor über Religion und den gerade aktuellen Weltjugendtag zu diskutieren um später auf das Thema Bundestagswahl 2005 umzuschwenken. Alles Themen, die mich sehr interessieren, aber nicht zu so später Stunde und mit Joint in der Hand.

Wie auch immer: Später, die Diskussionen waren nicht mehr so hitzig und wir unterhielten uns gepflegt, waren nocht nichtmal sehr breit, als auf einmal ein Auto auf, die das Feld umgrenzende Landstraße, einbog. Als es näher kam, erkannte man, dass es sich eher um einen Jeep o.ä. handelte, denn es schaltete einen extrem lichintensiven Suchscheinwerfer auf dem Dach ein. Wir starrten dem etwas überrascht entgegen. Mein Freund besann sich schnell und rief nur "Haut ab!" und wir schnappten uns unsere Fahrräder (ich mit meinem Hollandrad) und machten uns über das Feld davon. Das Ganze brachte uns noch etwas Herzrasen ein, da der Jeep um das Feld herum fuhr und wir teilweise unsere Richtung aus taktischen Gründen ändern mussten. Im Schutze der Dunkelheit und dank Mutter Nacht konnten wir unbemerkt fliehen. Warum genau bzw. wer uns das verfolgte wissen wir nicht genau. An der illegalen Droge lag es mit sicherheit nicht. Wahrscheinlich war es eher der Bauer, dem das Feld gehörte, oder irgendwelche Anwohner, die sich gestört fühlten.

Im Nachhinein tat es richtig gut sowas nochmal zu erleben. Früher als wir noch Jünger waren, wäre unsere Reaktion wahrscheinlich normal gewesen: So schnell wie möglich abhauen um ja nicht erwischt zu werden. Hätte mein Freund nicht gerufen, wären wir wahrscheinlich sitzen gelbieben um das Problem auf "zivilisierter" Weise mit Reden zu lösen. Man merkt schon, wie die Spontanität und die Unvernunft abnimmt.

Die Flucht selber war schon kritisch. Ich hatte verdammtes Herzklopfen. Aber es hat doch extrem Spaß gemacht. Zudem sind wir Ärger entgangen und haben wieder Erfahrungen gemacht. Alles in allem ein sehr gutes Erlebnis.

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Aktuelle Beiträge

also dem kann ich zeitweise...
also dem kann ich zeitweise auch zu 100% zustimmen....
kopfkaos - 2. Okt, 13:16
Kittelpflicht
Wie in einem Fischschwarm wurde ich in einem Strom...
monsieur finn - 6. Apr, 15:50
naja, wenn man aber eigentlich...
naja, wenn man aber eigentlich soviel tun müsste......
monsieur finn - 23. Dez, 11:45
nana...
ich finde, wenn man mehr als eine wichtige geschichte...
mutti blogt - 23. Dez, 01:02
Abgefuckt
Ich habe oft das Gefühl deplaziert zu sein. Manchmal...
monsieur finn - 23. Dez, 00:58

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